Inhalt10
- 01Lohnt sich Photovoltaik auf einem Ost-West-Dach?
- 02Mehr Strom, wenn du ihn brauchst
- 03Ost-West und das Solarspitzengesetz
- 04Was die geplante EEG-Reform für Ost-West-Anlagen bedeutet
- 05Speicher und Ost-West: wie gut passt das?
- 06Planungstipps für Ost-West-Dächer und Flachdächer
- 07Für wen ist ein Ost-West-Dach ideal?
- 08Vorlage: Ost- und Westseite planen
- 09Checkliste: Ost-West-Anlage planen
- 10Häufige Fragen
Das Wichtigste in Kürze
- Ost-West-Anlagen erzeugen pro kWp etwas weniger, dafür mehr Strom am Morgen und am Abend.
- Beide Dachseiten belegt ergibt oft mehr Gesamtleistung als ein einzelnes Süddach.
- Nach einer HTW-Simulation verlieren Ost-West-Anlagen durch das Solarspitzengesetz nur etwa 1,1 % Einspeisung, Süd-Anlagen bis 9,0 %.
- Die flachere Erzeugungskurve passt zu Haushalten, die morgens und abends Strom brauchen.
- Ein Speicher wird oft etwas kleiner und wird trotzdem häufiger voll geladen.
Lohnt sich Photovoltaik auf einem Ost-West-Dach?
Viele Hausbesitzer in Ostwestfalen-Lippe haben zwei Dachseiten nach Osten und Westen statt eines idealen Süddachs. Lange galt das als Nachteil. Heute sieht die Rechnung anders aus.
Ein Ost-West-Dach erzeugt pro kWp grob 80 bis 85 % des Ertrags eines optimal ausgerichteten Süddachs, je nach Neigung (Richtwert). Bei einem Süddach mit 900 kWh pro kWp wären das etwa 720 bis 765 kWh pro kWp auf der Ost- oder Westseite. PVGIS errechnet für Bielefeld rund 785 kWh pro kWp bei 35 Grad und rund 820 kWh pro kWp bei 15 Grad Neigung (14 % Systemverluste, Stand Oktober 2026). Weil du aber beide Dachseiten belegen kannst, passt oft insgesamt mehr Leistung aufs Dach.
Entscheidend ist der Tagesverlauf: Die Ostseite liefert am Vormittag, die Westseite am Nachmittag und frühen Abend. Die Erzeugung verteilt sich gleichmäßiger, statt in einer hohen Mittagsspitze zu enden. Genau das wird wichtiger, je weniger eingespeister Strom wert ist. Wie viel Ertrag in OWL insgesamt zu erwarten ist, zeigt der Ratgeber PV-Ertrag in OWL.
Mehr Strom, wenn du ihn brauchst
Ein typischer Haushalt verbraucht morgens vor der Arbeit und abends nach Feierabend den meisten Strom. Mittags, wenn ein Süddach am meisten erzeugt, ist oft niemand zu Hause. Ein Großteil des Mittagsstroms wird dann eingespeist.
Eine Ost-West-Anlage trifft den Tagesrhythmus besser:
- Morgens: Die Ostseite liefert früher nennenswert Strom, passend zu Kaffeemaschine, Dusche mit Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe.
- Mittags: Beide Seiten erzeugen moderat, die Spitze ist flacher.
- Nachmittags und abends: Die Westseite liefert länger Strom, wenn Herd, Waschmaschine und das E-Auto laufen.
Dadurch steigt der Anteil des Solarstroms, den du direkt nutzt. Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart den vollen Strompreis. Eine eingespeiste Kilowattstunde bringt nur die Vergütung, und die soll für Neuanlagen ab 2027 nach dem Regierungsentwurf deutlich sinken.
Ost-West und das Solarspitzengesetz
Seit dem 25.02.2025 gilt das Solarspitzengesetz. Für Neuanlagen bedeutet es nach aktuellem Stand:
- In Viertelstunden mit negativen Börsenpreisen gibt es bei intelligentem Messsystem keine Einspeisevergütung. Die ausgefallenen Zeiten werden anteilig ans Ende der Förderdauer angehängt.
- Ohne intelligentes Messsystem darf eine neue Anlage nur 60 % ihrer installierten Leistung einspeisen.
Negative Preise treten vor allem an sonnigen Mittagen auf, wenn sehr viele Anlagen gleichzeitig einspeisen. Eine Süd-Anlage hat genau dann ihre Spitze. Eine Simulation der HTW Berlin zeigt deshalb deutliche Unterschiede: Der Einspeiseverlust liegt bei Ost-West-Anlagen bei etwa 1,1 %, bei reinen Süd-Anlagen bei bis zu 9,0 %.
Auch die 60-%-Grenze trifft Ost-West-Anlagen weniger, weil sie ihre volle Nennleistung ohnehin selten erreichen. Die Details erklärt der Ratgeber Solarspitzengesetz.
Was die geplante EEG-Reform für Ost-West-Anlagen bedeutet
Das Bundeskabinett hat am 29.07.2026 einen Entwurf zur EEG-Novelle beschlossen. Er sieht vor, dass neue Anlagen unter 25 kW ab dem 1. Januar 2027 statt der dauerhaften festen Einspeisevergütung nur noch eine befristete Übergangszahlung erhalten. Außerdem soll die Einspeiseleistung kleiner und mittlerer Dachanlagen dauerhaft auf 50 % der installierten Leistung begrenzt werden. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet, die Zahlen können sich ändern.
Für Ost-West-Anlagen ist eine solche Kappung weniger schmerzhaft. Diese Anlagen erreichen selten die volle Nennleistung, ein großer Teil der Erzeugung liegt unterhalb der Grenze. Bei einer Süd-Anlage würde an sonnigen Mittagen dagegen öfter Strom abgeregelt, wenn er nicht selbst genutzt oder gespeichert wird.
Die Konsequenz: Mit wegfallender Vergütung und Einspeisekappung gewinnt die Ost-West-Belegung an Attraktivität. Was der Entwurf im Detail bedeutet, liest du im Ratgeber EEG-Novelle 2027.
Speicher und Ost-West: wie gut passt das?
Ein Ost-West-Dach und ein Batteriespeicher ergänzen sich gut. Weil die Erzeugung länger über den Tag verteilt ist, deckst du einen größeren Teil des Verbrauchs direkt. Der Speicher muss weniger leisten, um den Abend zu überbrücken.
Das hat zwei Effekte:
- Kleinerer Speicher: Oft reicht eine etwas geringere Kapazität als bei einer Süd-Anlage gleicher Größe.
- Volle Ladung: Durch die verlängerte Erzeugung wird der Speicher an vielen Tagen bis zum Abend voll.
Im Winter erzeugen Ost- und Westseiten allerdings wenig, weil die Sonne tief im Süden steht. In dieser Zeit wird der Speicher seltener voll. Das gilt für alle Anlagen in OWL, bei Ost-West aber etwas stärker.
Ob und wie groß ein Speicher bei dir sinnvoll ist, rechnet der Ratgeber Lohnt sich ein Stromspeicher? durch.
Planungstipps für Ost-West-Dächer und Flachdächer
Damit eine Ost-West-Anlage ihr Potenzial ausschöpft, achten wir bei der Planung auf diese Punkte:
- Zwei MPP-Tracker: Ost- und Westseite sollten an getrennten Eingängen des Wechselrichters hängen, weil sie zu unterschiedlichen Zeiten Strom liefern.
- Wechselrichter-Dimensionierung: Da beide Seiten nie gleichzeitig ihre Spitze erreichen, kann der Wechselrichter oft etwas kleiner als die Modulleistung ausfallen.
- Neigung: Flachere Dächer bringen bei Ost-West mehr Ertrag als sehr steile.
- Flachdach: Hier wird gern eine Ost-West-Aufständerung mit geringer Neigung gewählt. Die Module stehen dachförmig Rücken an Rücken, das spart Platz und verringert die Windlast.
- Schwachlichtverhalten: Module mit guten Werten bei geringer Einstrahlung zahlen sich morgens und abends aus.
Welche Module dafür infrage kommen, zeigt der Ratgeber Solarmodule im Vergleich. Montiert wird bei OurSun Solar mit K2-Montagesystemen, die Montage dauert maximal zwei Tage.
Für wen ist ein Ost-West-Dach ideal?
Besonders gut passt eine Ost-West-Anlage, wenn du:
- morgens und abends viel Strom verbrauchst, etwa als Familie mit Berufstätigen,
- im Homeoffice arbeitest und über den Tag verteilt Strom nutzt,
- ein E-Auto am Nachmittag oder frühen Abend laden möchtest,
- eine Wärmepumpe betreibst, die morgens hochfährt,
- ein Flachdach oder ein Satteldach mit Firstrichtung Nord-Süd hast.
Wenn du die Wahl hast, beide Seiten oder nur eine Südseite zu belegen, lohnt der Vergleich im Solarrechner. Oft ergibt die Belegung beider Seiten mehr Gesamtertrag und einen höheren Eigenverbrauch. Beim kostenlosen Vor-Ort-Termin prüfen wir Statik, Verschattung und Zählerschrank und erstellen dir danach einen Festpreis.
Vorlage: Ost- und Westseite planen
Trag jede Dachseite in eine Zeile ein. Für Ost- und Westflächen setzt du einen etwas niedrigeren Ertrag pro kWp an als für Süd. In der letzten Spalte notierst du, wann die Fläche hauptsächlich Strom liefert.
| Dachseite | Neigung | Leistung | Ertrag pro kWp (Annahme) | Jahresertrag | Hauptsächlich Strom |
|---|---|---|---|---|---|
| Ostseite | 30° | 5 kWp | 780 kWh | 3.900 kWh | Vormittag |
Fiktives Beispiel. Nimm für deine Dachflächen Werte aus PVGIS oder dem Solarrechner.
Checkliste: Ost-West-Anlage planen
Hake ab, was du schon erledigt hast.
Häufige Fragen
Pro kWp erzeugt ein Ost-West-Dach grob 80 bis 85 % des Ertrags eines optimal ausgerichteten Süddachs, abhängig von der Neigung. Flachere Dächer verlieren weniger. Weil du beide Dachseiten belegen kannst, ist die Gesamterzeugung oft trotzdem höher als bei einer einzelnen Süddachfläche.